Mobilität von morgen?

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Leider habe ich das Thema Mobilität in diesem Blog sträflich vernachlässigt. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass es kaum ein Thema ist, was das eigene vorankommen angeht. Mit dem Megane elektrisch durch die Gegend zu stromen ist, auf kleinen und auch auf großen Distanzen, so unkompliziert und passt so gut in unseren Alltag womit es kaum ein Thema ist.
Für mich auffallend sind dann doch die große Menge an E-Autos. Zwar schrieb Sophia in ihren Blog, dass es außerhalb von Olso weniger wurde. Das muss man aber im Kontext von Norwegen betrachten. Für deutsche Verhältnisse ist es auch im „Outback“ noch immer proppe voll.
Angekommen in Trondheim ist mir sofort aufgefallen, wie leise die öffentlichen Verkehrsmittel sich bewegen und wie groß diese teilweise sind.
Als ich den Trambus von Van Hool gesehen habe ist mir die Kinnlade auf den Boden gefallen. Eine alte Liebe von mir sind Busse und noch nie habe ich einen Doppelgelenkbus gesehen. Sowas fährt bei uns einfach nicht.

Leise summt der Bus

Als die Stadtwerke Remscheid in den vergangenen zwei Jahren angefangen hat vollelektrische Busse in Remscheid zu testen ist meine Begeisterung für die Stadtwerke gewachsen. Welch kluger Schritt das doch aus meiner Sicht ist! Die Gespräche im Alltag: „Wie weit kommt so ein Ding? 20 Kilometer?“ , „In Remscheid, bei den Bergen? Lachhaft!“ und all das bla bla.
Noch spannender wurde es dann, als am Bahnhof in Lennep eine Ladestation installiert wurde, unter die der Bus fährt, ein Stromabnehmer sich hebt und die Spannung dann anliegt. (Ladestation inzwischen wieder abgebaut, war nur für Testzwecke aufgebaut)
In Trondheim fährt ein Großteil der Busse bereits elektrisch. Mit seinen Rund 250 Metern Höhenunterschied innerhalb der Stadtgrenzen ist Trondheim mit Sicherheit auch kein Flachland für die Busse.
Besonders angetan haben es mir wie gesagt die Trambusse von Van Hool. 24 Meter lang und mit Hybridantrieb ausgestattet (Leider noch nicht vollelektrisch) summen diese größtenteils lautlos durch die Straßen und sehen aus wie eine Tram. Zwischen den alten Häusern fährt hier also die pure Moderne durch die Straßen. Effekt des ganzen? Es ist leise.
Mal abgesehen von Wirtschaftlichkeit und dem Kram ist es einfach geil, wie leise die Dinger sind.
Von den Trambussen fahren hier rund 60 Exemplare durch Trondheim und von den reinelektrischen sind es knapp 40. Zur Wahrheit gehört auch, dass dagegen noch rund 200 Busse fast konventionellem Antrieb stehen. Die Stadt setzt neben Elektro- und Hybirdbussen noch Biodiesel betrieben Busse und solche mit Gasantrieb ein.
Geladen werden Busse übrigens an mehreren Stellen über eine zur am Lenneper Bahnhof vergleichbaren Ladestation.

Jede Stadt braucht eine Linie 9

Triebwagen GT6

Auf Meeresspiegelniveau startet die Line 9, Richtung Lian, der Gråkallbanen und kämpft sich auf 8,8 Kilometern bis auf 235 Meter über NN nach Lian hoch. Neben einer Strecke die Teilweise dem Harz sehr ähnlich ist, bekommt man eine fantastischen Blick auf den Trondheimfjord und die dazugehörende Stadt. Es war meines Wissens nach die erste Fahrt mit einer Tram für Anton und auf der Hinfahrt war er auch noch sehr interessiert. Auf dem Rückweg änderte sich das ganze ein kleines bisschen.
Geht es anfangs noch durch Häusergassen und über Kreuzungen ist man nach wenigen Kilometern in der Natur und die alten Triebwagen, aus den 80er Jahren, Typ Braunschweig, spielen ihren vollen Charme aus.
Vorbei an der Haltestelle Munkvoll an der sowohl das Depot als auch das Straßenbahnmuseum beheimatet sind, geht es immer weiter Richtung Lian.
In Lian angekommen steht man im nichts, vor einer kleinen Hütte. Direkt hinter der Kehrschleife, die es dem Triebwagen ermöglicht wieder die Rückfahrt anzutreten, wartet ein wundervoller See.
Wir haben es uns nicht nehmen lassen diesen zu umrunden.

Die Abfahrt war ebenso schön wie der Weg hinauf. Die Linie 9 ist der letzte Schnipsel der von der einstigen Trambahn Trondheim übriggeblieben ist. 1990 wurde hier der Verkehr wieder aufgenommen und ich kann es verstehen. Mit rund 1.000.000 Fahrgästen pro Jahr hält die Linie so eben die schwarze null. Daher lasst es euch nicht nehmen, wenn ihr mal in der Nähe seid, eine Runde mit der nördlichsten Straßenbahn der Welt zu fahren. Abstand bis zum Nordpol: Nur noch 3300 Kilometer.

Mein Fazit

Je mehr Zeit wir hier in Norwegen verbringen, desto weniger weiß ich, wo die Menschen Probleme bei der Umstellung der Mobilität sehen.
Natürlich gibt es auch in Deutschland positive Beispiele. Nur reicht es nicht aus lediglich ein paar Vorzeigeprojekte zu haben.
Also, Stadt Remscheid, besorgt mal ein paar von den Teilen. Oder installiert eine Straßenbahn.
Hauptsache es wird nichts mehr verbrannt.

2 Antworten zu „Mobilität von morgen?“

  1. Avatar von Martin Gerhardts
    Martin Gerhardts

    Nachricht von gestern: Stockholm plant Verbrenner aus der Innenstadt zu verbannen. Rot/Grüne Stadtlenkung. Es geht, wenn man will. Wenn man weitsichtig agiert.

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    1. Avatar von Timon G.

      Inzwischen glaube ich, dass viele im Ausland diese Meldung falsch aufnehmen.
      Für Stockholm kann ich es zwar noch nicht sagen, aber käme eine solche Meldung für Oslo, wäre es der kleinste Teil, der nicht mehr in die Innenstadt darf.

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