Auch in meinem Privatleben habe ich immer ein kleines berufliches Auge dabei.
Gerade in Deutschland ist das Thema Auto, nicht zuletzt durch die Elektromobilität, ein begehrtes Diskussionsthema.
So erwische ich mich in meiner Freizeit dabei, Autohäuser zu besuchen. Manchmal die der eigenen Marken Dacia und Renault, manchmal eine völlig andere Marke, manchmal auch im Ausland.
Marken wie Porsche, Bentley, Rolls-Royce etc. lasse ich allerdings aus. Zu fern sind mir die Produkte und in meinem Kopf auch die Kundschaft.
Doch auf dem Weg nach Kopenhagen, direkt an der Autobahn, steht einer der wenigen Ferrari-Händler dieser Welt. Ein riesiger Klotz, und in den Schaufenstern, die man von der Autobahn aus sieht, zieren zwei Formel-1-Wagen den Raum.
Es verging keine Fahrt nach Kopenhagen, bei der ich nicht alle Leute im Auto darauf hingewiesen habe, dass da Formel-1-Wagen zu sehen sind. Aber warum nicht einfach hinfahren und fragen, ob man sich mal umgucken darf? Ja, warum eigentlich nicht?
„Wir werden nichts kaufen“

Wer lieb fragt, bekommt eine liebe Antwort. So die Theorie. Doch aus meinem beruflichen Alltag weiß ich, wie man in manchen Autohäusern als Kunde abgewiegelt, gar nicht beachtet oder unfreundlich behandelt wird.
Wie wird wohl ein Mitarbeiter von Ferrari reagieren, wenn zwei Erwachsene im Ferienoutfit und zwei wildgewordene Kinder zwar garantiert nichts kaufen werden, aber sich umsehen wollen? Wie sich herausstellt, auch in einem Bereich, der gar nicht öffentlich zugänglich ist.
Die erste Reaktion der Mitarbeiterin: Freundlichkeit. Wir wurden darauf hingewiesen, dass der Verkaufsraum im Erdgeschoss gerne angesehen werden kann, die Formel-1-Wagen und weitere Highlights aber im Obergeschoss stehen und nicht besichtigt werden können.
Allerdings könnten wir uns an Kontakt XY per Mail wenden und einen Termin ausmachen, um in das Obergeschoss zu gelangen. Ohne mich als Verkaufsleiter und als im selben Beruf tätig geoutet zu haben, war die Art, wie wir eine Absage bekommen haben, so professionell, wie ich es noch nie erlebt habe. Die Chance, den Verkaufsraum, die Werkstattannahme und ein paar der Modelle vor Ort zu besichtigen, habe ich mir aber nicht nehmen lassen.
Dass man in einer anderen Welt wandelt, war schnell klar. Keine Preise an den Autos, alles super sauber. Ein Wartebereich wie ein Schloss. Alle in beste Kleider gehüllt, bedächtige Stille im Laden. Klar, Ferrari. Eine fremde Welt, die einem etwas vertraut vorkommt.
Sophia wollte allerdings nicht akzeptieren, dass Anton die Formel-1-Wagen nicht zu Gesicht bekommt. Das Problem mit der E-Mail, die vielleicht versandet wäre, war nämlich, dass wir nur noch 24 Stunden in der Gegend waren.
Jetzt oder nie.
Freundlichkeit, der Schlüssel zum Obergeschoss

Sophia sprach die freundliche Mitarbeiterin erneut an und sagte, dass das Angebot, eine Mail zu schreiben, toll sei, wir aber nur noch 24 Stunden im Ferienhaus sind und 1.000 Kilometer weit entfernt wohnen.
Die prompte Reaktion: „Bitte kommen Sie morgen um 13:00 Uhr wieder. Leider hat heute kein Mitarbeiter die Zeit, mit Ihnen das Obergeschoss zu besichtigen. Morgen um 13:00 Uhr nehme ich mir aber gerne die Zeit.“
Über diese Antwort war ich überrascht, aber sehr glücklich. Natürlich gab es auch den Gedanken: „Vielleicht glaubt die Mitarbeiterin, dass wir uns nicht erneut auf den Weg machen.“
Nach unserem Besuch am nächsten Tag hatte ich dieses Gefühl allerdings nicht mehr

Am nächsten Tag, die freudige Reisegruppe um meinen Bruder erweitert, fanden wir uns erneut im Ferrari Store ein. Ein Unterschied zum Vortag war, dass die Bude bis oben hin voll war. Konnten wir am Vortag noch alleine das Autohaus besichtigen, war dies einen Tag später nicht mehr möglich.
Die Mitarbeiterin vom Vortag hat uns beim Betreten des Verkaufsraumes sofort wahrgenommen und signalisiert, dass sie gleich für uns da ist.
Minuten später wurden wir sehr freundlich in Empfang genommen und sollten ihr zu einer großen Tür folgen. Es öffnete sich eine Fahrstuhltür zu einem Fahrstuhl, der größer als unser Wohn- und Esszimmer ist. Zwar ist klar, dass damit die Fahrzeuge die Etage wechseln, doch Größe und Interieur habe ich so noch nie gesehen.
Wir wurden darauf hingewiesen, dass die Risse in den Fliesen am Boden durch schwere Geländewagen entstanden sind. Nach einer kurzen Fahrt eine Etage höher öffnete sich eine große Fahrstuhltür ins Traumland.
Formel 1, Historisches und Neuwagen

Das Erste, was mir in die Nase schoss, war der Geruch nach verbranntem Benzin. In diesem Kontext fand ich es als Elektroauto….. naja, ich fand es okay!
Ich kann gar nicht sagen, wie viele Fahrzeuge dort standen. 30? Vielleicht mehr. Uns wurde erklärt, dass dort historische Fahrzeuge stehen, Neuwagen, die auf die Auslieferung warten, und eben jene Formel-1-Wagen, die der Grund dafür gewesen sind, weshalb wir genau dort stehen wollten, wo wir jetzt standen.
Ich glaube, ein echter Ferrari-Fan hätte sich erst einmal die historischen Fahrzeuge angesehen. Meinen Bruder, meinen Sohn und mich zog es aber sofort zum 2017er Formel-1-Wagen, mit dem auch Vettel seine Runden gedreht hat. Hier wusste die Mitarbeiterin zu berichten, dass der 2017er F1-Wagen mit Motor ausgestattet war. Der von 2004, den Michael Schumacher gefahren ist, hatte keinen Motor mehr.
Der Weg danach führte uns zum 2004er F1-Boliden von Ferrari. Ich habe noch Erinnerungen daran, wie ich mit meinem Vater zu dieser Zeit Formel 1 geguckt habe. Wobei die Erinnerungen eher so ab 2005 starten, als Schumacher keinen Titel mehr geholt hat. Ich erinnere mich an 2008, als mein Vater mich nach dem letzten Rennen in Brasilien angerufen hat, um zu fragen, ob ich gesehen habe, wie Hamilton zum ersten Mal Weltmeister geworden ist.
Gut, weil auch schon recht alt, erinnere ich mich an das Comeback von Schumacher, von dem ich mir viel mehr versprochen habe.
Meine eigene ganz aktive F1-Zeit, in der ich kein Rennen verpasst habe, war 2020–2023. Verstappen war für meinen Bruder, einige Bekannte und mich das, was Schumacher in den 90ern und Anfang der 2000er Jahre für meinen Vater gewesen ist.
Wir haben uns etwas von meiner Frau und meiner Tochter abgekapselt, die bei der Mitarbeiterin des Ferrari-Autohauses stehengeblieben sind. Wir haben uns die verschiedenen Modelle angeguckt und die F1-Boliden ganz im Detail. Wir durften so nah an die Modelle ran, wie wir wollten, solange wir diese nicht berührt haben.
Die Frage meines Bruders, ob wir Anton für ein Bild auf den Reifen setzen dürfen, wurde freundlich verneint.
Wir waren im siebten Himmel, der an diesem Tag im Obergeschoss des Ferrari-Händlers lag.
Lediglich einen Ferrari Luce, das erste vollelektrische Fahrzeug der Marke, haben wir um eine Woche verpasst. Was will man machen?
Bilder gucken:




Ein kleiner Dank
Wir waren insgesamt keine halbe Stunde bei Ferrari und doch werden wir diesen Besuch nicht vergessen.
Die Freundlichkeit, die uns entgegengebracht wurde, werde ich nicht vergessen und mit einem Invest von 20 Minuten seitens der Mitarbeiterin haben wir nun eine Erinnerung mehr und Bilder für Jahre.
Am Ende war es eine Kleinigkeit, uns dies zu ermöglichen und sich die Zeit zu nehmen, etwas zu den Fahrzeugen zu erzählen und Fragen zu beantworten. Doch eine Selbstverständlichkeit war es sicher nicht. Sollte ich zu genügend Geld kommen, kenne ich bereits jetzt meinen Ferrari-Händler. Ich muss aber zugeben, dass mich bis auf den Ferrari F40 die Modelle wenig interessieren und ich auch keine kenne.
Daher wird es wohl der F40 werden. Oder?



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